Haben wir den Fortschritt verschlafen?
- Matthias Samuel Jauslin

- 21. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
Vor 17 Jahren startete das 300 Millionen Franken schwere Beschaffungsprojekt von sechs israelischen Aufklärungsdrohnen Hermes 900 (ADS15). Mit dem Rüstungsprogramm 2015 genehmigt das Parlament die Beschaffung, damit das bis Ende 2019 in der Armee eingesetzte Aufklärungsdrohnensystem 95 ersetzt werden kann. Nutzer des neuen Systems werden auch zivile Führungsorgane sein. Im militärischen Bereich soll die ADS15 im Falle eines Angriffs einen Beitrag zur Führung und Kontrolle von Aktionen am Boden, insbesondere für die Feuerunterstützung leisten.
Die erste für die Schweiz produzierte Drohne stürzte 2020 in Israel ab. Aktuell sind fünf Drohnen in der Schweiz, die Auslieferung der offenen Position stockt. Diverse Anforderungen des Bundesamts für Rüstung bezüglich Motorisierung und Enteisungsanlage und die Krise im Nahostkonflikt brachte den israelischen Hersteller Elbit Systems an die Grenzen. Auch das Detect and Avoid-System (DAA) zur automatischen Detektion von anderen Luftfahrzeugen ist Teil des Beschaffungsumfangs und ist noch nicht auf Kurs. Bis heute muss die Drohne im unkontrollierten Luftraum von einem bemannten Flugzeug begleitet werden und operative Einsätze sind nicht möglich.
Und nun auch noch dies: Mitte Januar wurde der Flugbetrieb mit der ADS15 in der Schweiz nach einem Vorfall bei den Indischen Streitkräften ein weiteres Mal eingestellt. Wie in der Aviatik in solchen Fällen üblich, wird bis zur Klärung der Absturzursache der Flugbetrieb des entsprechenden Luftfahrzeugtyps weltweit ausgesetzt. Somit sind weitere Ausbildungs- und Testflüge in der Schweiz einmal mehr unterbrochen. Auch dieser Rückschlag passt in dieses schwierige Rüstungsgeschäft.
Wenn man nun bedenkt, dass die Schweizer Armee den Plan verfolgt, die Armee durch den Einsatz moderner digitaler Technologien zu stärken, ist ein über fünfzehnjähriger Beschaffungsprozess schwierig einzuordnen. Es stellt sich sogar die Frage, ob mit dem Festhalten am Produkt nicht der technologische Fortschritt verschlafen wird. Drohnen haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Speicherkapazitäten, Miniaturisierung und künstliche Intelligenz nehmen immer mehr Fahrt auf und entwickeln sich rasant. Der Trend geht klar hin zu kleineren Drohnen, die schon heute eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen können.
Neben der Geschäftsprüfungskommission hat auch die Eidgenössische Finanzkontrolle die Beschaffungsprobleme angesprochen. Doch wer hat den Mut, das Projekt ADS15 mit einem Auslaufdatum zu versehen und gleichzeitig Drohnen neuster Generation ins Auge zu fassen?



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